Nephrologie
Harnsteine und Nephrokalzinose
Vorbeugung, Steinarten, Hyperoxalurie, Nephrokalzinose und die praktische Einordnung des 24-Stunden-Urins.
Harnsteine und Nephrokalzinose
Steinbildung ist ein Kontinuum, das von der Übersättigung des Urins, kristallisationsfördernden Faktoren und Hemmstoffen wie Citrat abhängt. Auch die Calciumausscheidung ist ein kontinuierlicher Risikofaktor und keine einzelne Grenze zwischen sicher und gefährlich.
Allgemeine Vorbeugung
- Wenn klinisch passend, etwa 2,5–3 Liter Flüssigkeit pro Tag anstreben und mehr als 2,5 Liter Urin in 24 Stunden erreichen.
- Normale Calciumzufuhr über die Nahrung von etwa 1–1,2 g/Tag, Kochsalz etwa 4–5 g/Tag und tierisches Eiweiß individuell anpassen.
- Bei Calciumoxalatsteinen Calcium aus der Nahrung nicht routinemäßig einschränken; Calcium zu den Mahlzeiten bindet Oxalat im Darm und kann bei enterischer Hyperoxalurie besonders hilfreich sein.
- Viel Natrium, übermäßiges tierisches Eiweiß und hoch dosiertes Vitamin C können das Risiko bei geeigneten Risikoprofilen erhöhen.
Steinarten und Medikamente
Harnsäuresteine werden stark durch einen niedrigen Urin-pH beeinflusst; alkalisches Citrat ist die wichtigste Behandlung, bei geplanter Auflösung mit kontrolliertem pH um 7,0–7,2. Hyperoxalurie kann ernährungsbedingt, enterisch oder primär sein. Struvitsteine sind mit ureasebildenden Bakterien verbunden und erfordern meist eine möglichst vollständige Steinentfernung sowie die Behandlung einer anhaltenden Bakteriurie. Bei Cystinurie sind eine sehr hohe Urinmenge und Alkalisierung nötig. Schleifendiuretika, Triamteren, Indinavir, Carboanhydrasehemmer und einige Antibiotika können das Risiko verändern oder eine Kristallurie auslösen.
Nephrokalzinose
Nephrokalzinose bezeichnet Calciumphosphat- oder Calciumoxalatablagerungen im Nierengewebe. Mögliche Ursachen sind Hyperparathyreoidismus, primäre oder enterische Hyperoxalurie, distale renale tubuläre Azidose, medulläre Schwammniere, Vitamin-D-Störungen, Sarkoidose, idiopathische Hyperkalziurie, Hypozitraturie, Dent-Krankheit und Bartter-Syndrom. Die Abklärung richtet sich nach der Ursache und kann Calcium/PTH, Vitamin D, Elektrolyte, Bikarbonat, Urin-pH und eine ausführliche 24-Stunden-Urinanalyse umfassen.
Praktische Werte im 24-Stunden-Urin
| Variable | Praktische Einordnung |
|---|---|
| Urinvolumen | Vorbeugendes Ziel >2,5 L/24 h. |
| Kreatinin | Vollständigkeit der Sammlung: Frauen 15–20 mg/kg/Tag, Männer 18–25 mg/kg/Tag. |
| pH | <5,5 ist stark sauer; dauerhaft hohe Werte können nach klinischer Einordnung auf distale RTA oder eine Infektion hinweisen. |
| Oxalat | >0,40 mmol/Tag spricht für Hyperoxalurie; >0,5 für eine enterische Form; >1 stark für eine primäre Hyperoxalurie. |
| Citrat | Hypozitraturie wird häufig unter 1,7 mmol/Tag bei Männern oder 1,9 mmol/Tag bei Frauen angenommen. |
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Wichtige Punkte
- Vorbeugung, Steinarten, Hyperoxalurie, Nephrokalzinose und die praktische Einordnung des 24-Stunden-Urins.